Illustrationen zu Archäologie und Geschichte

Die Faszination, die von Illustrationen ausgeht, welche die Vergangenheit zum Leben erwecken ist eine ganz eigene, die vermutlich viele schon im Kindesalter packt. Solche Lebensbilder aus Büchern wie "So lebten sie zur Zeit der ..." spielten auch für Frithjof Spangenberg eine bedeutende Rolle bei der Entscheidung, ein Studium der Ur- und Frühgeschichte zu beginnen und an mehreren archäologischen Ausgrabungen teilzunehmen. Dort gesammelte Erfahrungen helfen ihm wiederum dabei, Aufgabenstellungen im archäologischen und geschichtlichen Bereich zu verstehen und umsetzen zu können.

Hausbau
Hausbau in der Jungsteinzeit
Illustration für das Buch "Angebaggert – Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier" - Aquarell
 

Lebensbilder und Rekonstruktionen

Oft gilt es, Menschen aus der Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Welche Kleider haben sie getragen? Welche Werkzeuge hatten sie benutzt, welche Waffen mit sich geführt? Normalerweise ist das Wissen darüber begrenzt, was zur Folge hat, dass eine Illustration viel mehr zeigt, als gesichert ist. Meistens werden die Bilder recht konkret mit malerischen Mitteln erstellt – meist in Acryl oder Aquarell. Mit einer Bleistiftzeichnung oder mit Tusche wirkt die Figur weniger eindeutig und eine Vektorgrafik kann die Abstraktheit noch weiter verstärken. Beides hat Vor- und Nachteile. Konkrete Lebensbilder sprechen Kinder oder weniger fachlich interessiertes Publikum meistens mehr an. Vom wissenschaftlichen Standpunkt kann es sinnvoller sein, die vielen unbekannten Elemente nicht zu "gesichert" wirken zu lassen.
Illustrationen sind für verschiedene Museen entstanden: zum Beispiel für das Rheinische Landesmuseum Bonn, das Alamannenmuseum Weingarten oder das Hessiche Landesmuseum in Darmstadt. Der Katalog zur Langobardenausstellung ist mittlerweile leider vergriffen.

Lebensbild Germanin
Germanin
Aware
Aware mit Pferd
Lebensbild Alamanne
Alamannenkrieger
Lebensbild langobardischer Reiter
Reiter von Isola Rizza

 

vom Grabfund zur Illustration

Bei den meisten Rekonstruktionen bilden Grabfunde die Basis. Oft ist neben Knochen nicht viel mehr übrig als Horn- oder Metallteile wie Spangen oder Gürtelschnallen, von denen ausgehend man auf die Tragweise der Kleidung schließen kann. Mit etwas Glück existieren dann noch zeitgenössische Darstellungen, welche das Wissen um die Mode der damaligen Zeit ergänzen. Da man nicht durchweg davon ausgehen kann, dass die Kleidung, mit denen die Toten bestattet wurden auch deren Alltagstracht war, kann es sinnvoll sein, die Personen in einer Situation zum Zeitpunkt ihrer Grablegung zu zeigen, was es auch einfacher macht, etwaige weitere Grabbeigaben mit darzustellen. Dem Reiter von Isola Rizza diente kein konkreter Grabbefund, sondern das Bodenmedaillon einer Silberschale als Vorlage. Spangenhelm, Lanze und Lamellenpanzer sind demnach idealisierte Gegenstände der Germanen des 5. oder 6. Jahrhunderts. Bei den Eiszeitjägern ist die Kleidung wiederum reine Hypothese und an die Kleidung von rezenten Jägervölkern angelegt – hier lag die Herausforderung darin, die von einer Gerichtsmedizinerin angefertigten Gesichtsrekonstruktionen in die Illustration einzufügen.

Fränkische Bestattung
Bestattung eines Franken
Strichzeichnung Frauengrab
Alamannisches Frauengrab
Archäologische Vektorgrafik Einbeiniger
Einbeiniger Krieger
Rekonstruktion Steinzeitjäger
Steinzeitjäger von Oberkassel
 

Fundorte

Neben Gräbern sind vor allem Siedlungsspuren eine wichtige Quelle der Archäologie. In erster Linie handelt es sich um die Spuren von Gebäuden, aber auch Überreste von Bergbau, Straßen oder religiösen Stätten bieten Material, Szenen aus der Vergangenheit auferstehen zu lassen. Die folgenden computercolorierten Bleistiftzeichnungen sind für Tafeln in Museen und als Illustrationen für Infotafeln des archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel entstanden.

Lebensbild Steinbruch
Römischer Steinbruch
Archäologische Illustration Römerstraße
Römerstraße
Illustration Römerkastell
Tor eines Römerkastells
Lebensbild Matronenheiligtum
Matronenheiligtum

 

Siedlungen

Mauerreste oder die Spuren von Pfostenlöchern zeigen Grundrisse von Gebäuden auf und lassen je nach Stärke Schlüsse auf die Rekonstruktion des Aufbaus zu. Aus mehreren Gebäuden werden dann Siedlungen. Vieles wird heute über Computerrekonstruktionen gemacht, aber auch zeichnerisch kann man auf Grundrissen Häuser, Tempel oder Burgen aufbauen. Die folgende Illustration der jungsteinzeitlichen Siedlung ist ein idealisiertes Symbolbild, das für eine Ausstellung zum Thema Landwirtschaft in Archäologie und Geschichte in Acryl gemalt wurde.

Bandkeramik
Siedlung der Bandkeramiker

Gräberfelder

Die Formen des Aufbaus von Gräbern sind so vielfältig wie ihre Komposition in Friedhöfen. Von der Verbrennung und Urnenbestattung übers Flachgrab bis hin zum aufwändigen Grabhügel liefern sie Grundlagen für Theorien über Jenseitsvorstellungen ihrer Zeit. Die Strichzeichnung der bronzezeitlichen Grabhügel stammt aus dem Katalog zur Ausstellung "Krieg und Frieden. Römer - Kelten - Germanen".

Bronzezeitliche Hügelgräber
Gräberfeld aus der Bronzezeit
 

Handwerk und Prozessabläufe

Manche Ausstellungen widmen sich dem Handwerk, zum Teil auch weil Ausgrabungen ganze Produktionsstätten an den Tag gebracht haben. Viele Fundsituationen geben zunächst Rätsel auf, die sich manchmal nur mit Hilfe von Handwerkern oder von experimenteller Archäologie lösen lassen. Die Szene der "living history" ist ohnehin eine dankbare Quelle für einen Illustrator.
Manche handwerkliche Prozesse lassen sich zusammengefasst in einem Bild darstellen, für andere ist eine Bilderserie sinnvoller. Die Zeichnung zur mittelalterlichen Eisenverhüttung wurde für ein Projekt der Universität Münster erstellt, die beiden aquarellierten Tuschezeichnungen sind Teil einer Serie zum Thema "Ton+Technik - Römische Ziegel" die im Limesmuseum Aalen gezeigt wurde.

Eisenverhüttung im Mittelalter
Eisenverhüttung im Mittelalter
Ziegeltrocknen
Trocknen der Ziegel
Ziegelbrennofen
Ziegelbrennofen der Römer
 

Vektorgrafiken zu Bauphasen des Doms

Im Auftrag der Dombauhütte galt es mehrere Bauphasen des Kölner Doms auf Bildtafeln darzustellen. Wegen des sehr technischen Themas eignen sich dafür Vektorgrafiken besonders gut. Eine Tafel für eine später ausgegrabene römische Hypokaustenanlage wurde den Computergrafiken der Bauphasen stilistisch angepasst.
Wer an der spannenden Geschichte des Kölner Doms interessiert ist, sollte sich die Ausstellung unter dem Dom anschauen und an einer Führung teilnehmen. Die Grafiken wurden auch im Band "Der Alte Dom zu Köln: Befunde und Funde zur vorgotischen Kathedrale" verwendet.

Hypokaustenanlage
Hypokaustenanlage
Dombau
Dombau
 

Geschichten erzählen

Nicht nur das Bild kann die Vergangenheit zum Leben erwecken, sondern auch das Wort. Zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier wurde der Historiker und Journalist Carl Dietmar beauftragt, zu ausgewählten Funden quer durch die Zeiten kleine Geschichten zu schreiben, welche dann durch Aquarelle illustriert, mit Fotos bebildert und mit Hintergrundinformationen faktisch hinterlegt wurden. Für "Schatzkammer rheinisches Braunkohlenrevier: Geschichten aus der Vergangenheit" durfte ich Szenen von der Eiszeit, steinzeitlichen Jägern und Bauern über Römer und Germanen bis hin zu Mittelalter und Neuzeit gestalten.

Lebensbild Angriff der Germanen
Überfall der Germanen
Lebensbild Feldlazarett
Im Feldlazarett
 

Zeichnungen für Magister- und Doktorarbeiten

Noch für Kontakte aus dem Studium der Ur- und Frühgeschichte, hat Frithjof Spangenberg folgende Zeichnungen für Magister- und Doktorarbeiten erstellt. Bei der Rekonstruktion des Wohnturms aus dem Mittelalter sollten mehrere Möglichkeiten des nicht gesicherten Dachaufbaus und der Umfriedung dargestellt werden. Die Umzeichnung des antiken Mosaiks war die einzige Möglichkeit, dieses entzerrt und am Stück zu zeigen. Über Fotografien war das nicht möglich.

Rekonstruktion Wohnturm
Rekonstruktionsvorschläge für einen Wohnturm
Umzeichnung Antikes Mosaik
Umzeichnung eines antiken Mosaiks
 

Illustrator für Schulbücher und Kinderbücher

Neben Museen sind Schul- und Kindersachbuchverlage die häufigsten Auftraggeber. Hier geht es meistens nicht um die Darstellung einzelner Fundumstände, sondern mehr um Einblicke in das Leben verschiedener Epochen. Um den Schülern die Arbeit mit dem Geschichtsbuch anschaulicher zu machen, helfen Illustrationen doch sehr und es müssen ab und an viele Informationen darin untergebracht werden. Auch im Sachbuch bestimmen die Abbildungen natürlich viel von dem, was vom zu vermittelnden Wissen in den Köpfen hängenbleibt und gerade für Kinder sind Bilder notwendig, um das Wort zu ergänzen und das Beschriebene vorstellbar zu machen. Neben Illustrationen für Schulbücher sind bislang Büchlein mit einfachen Illustrationen zu den Themen Steinzeit, Alte Griechen, Römer, Germanen und Mittelalter entstanden.

Mittelalterlicher Bischof
Bischof im Mittelalter
Paulus
Schreiber der Evangelien
Pyramidenbau
Bau der Pyramiden
Eiszeitjäger
Jäger in der Eiszeit
Frühmenschen
Frühmenschen im Quartär
 

Bilder in Schwarzweiss oder Farbe?

Ob eine Skizze, eine Schwarzweisszeichnung oder ein farbiges naturalistisches Bild am sinnvollsten ist, hängt vor allem von der Zielgruppe ab, kann aber auch edukativ eingesetzt werden. Ein skizzenhaftes Bild gibt der Fantasie mehr Raum, eine ausgearbeitete Illustration lässt den Sachverhalt gesicherter wirken. Je größer der Kontrast der Bildfläche zum typografischen oder fotografischen Bereich ist, desto mehr fängt die Illustration den Blick ein. Meistens ist dann die Farbillustration im Vorteil, dies kann aber je nach Anlage des gesamten grafischen Konzepts auch umgekehrt sein. Bereits innerhalb eines Graustufenbildes kann eine begrenzt eingesetzte Farbfläche oder ein detaillierter Bereich die Aufmerksamkeit auf eine Stelle lenken. Die Speerschleuder auf der Vektorzeichnung wurde im Museum durch ein Replikat ersetzt.

Steinzeitgeschichte
Zeichnung für Kindergeschichte
Speerschleuder
Vektorisierte Strichzeichnung
Bleistiftzeichnung Feuermachen
Bleistiftzeichnung mit Farbelement
Ölbild Feuermachen
Farbiges Ölbild
 

Objekte

Die folgenden beiden Objekte sind nicht im Auftrag für ein Museum sondern während des Designstudiums entstanden, hatten aber beinahe unvermeidlich einen Bezug zu Geschichte und Archäologie. Das Modell der römischen Küche hat einen Maßstab von 1:20.

Bastelbogen Burg
Bastelbogen einer Wasserburg
Modell Römische Küche
Modell einer römischen Küche
 

Auf Ausgrabungen in der Mongolei

Während seines Studiums der Ur- und Frühgeschichte hat Frithjof Spangenberg unter anderem fürs Deutsche Archäologische Institut auf der Mongolisch-Deutschen Karakorum-Expedition als Zeichner und Fotograf gearbeitet. Dabei sind neben den klassischen Profil- und Schnittzeichnungen, die eine Grundlage der Dokumentation einer Aussgrabung sind, viele Fundzeichnungen der gefundenen Objekte entstanden. Auch die drei bekanntesten der großen steinernen Schildkröten wurden vermessen und gezeichnet. Von den im ersten Jahr der Expedition ergrabenen Brennöfen für Ziegel ist ein Rekonstruktionsbild entstanden, das im in Kharkhorin neu aufgebauten Museum zu sehen ist.

Fundzeichnung Bodhisattwa
Bodhisattwa-Figur
Fundzeichnung Opferschale
Kleine Messingschale
Mongolische Steinschldkröte
Steinerne Schildkröte
Lebensbild Brennöfen
Ziegelbrennöfen von Kharkhorin
 
Lebensbild Steinzeithaus
Neolithisches Wohnhaus – Öl auf Karton
Schnecke